Erstens: Es ist überwiegend Koffein
Mit jeder wachen Stunde sammelt sich in deinem Gehirn ein Molekül namens Adenosin an und dockt an Rezeptoren deiner Gehirnzellen an. Je mehr davon andockt, desto müder fühlst du dich. Adenosin ist also so etwas wie ein laufender Zähler dafür, wie lange du schon auf den Beinen bist.
Koffein besetzt genau diese Rezeptoren, sodass Adenosin nicht mehr hineinkommt. Die Müdigkeit sammelt sich darunter weiter an, du bekommst die Nachricht nur nicht. Ist das Koffein abgebaut, kommt sie auf einmal an. Das ist das bekannte Nachmittagstief. Bei täglicher Anwendung passen sich die Rezeptoren zusätzlich an, dieselbe Dosis bewirkt weniger, und du brauchst mehr für denselben Effekt. Wer ohnehin nur einen schnellen Kick sucht, bekommt den durch Kaffee, und zwar günstiger.
Woran du es erkennst: Koffein versteckt sich hinter anderen Namen. Guarana, Mate, Kolanuss und Grüntee-Extrakt, der nicht entkoffeiniert ist.
Zweitens: Die Dosierungen sind zu klein
Viele Mischungen führen zehn oder zwanzig Inhaltsstoffe auf, jeden in einem Bruchteil der Menge, mit der geforscht wurde. Gerade genug, um auf dem Etikett zu stehen. In der Branche heißt das Fairy Dusting, und es lässt sich mit einfachem Rechnen entlarven. In eine Kapsel passen je nach Größe etwa 500 bis 800 mg Pulver. Eine Formel mit zwanzig Inhaltsstoffen liefert also im Schnitt unter 40 mg von jedem, während Studiendosierungen üblicherweise im Bereich von Hunderten oder Tausenden Milligramm liegen. Das sieht auf dem Etikett stark aus und bewirkt wenig.
Woran du es erkennst: Nimm dir die zwei oder drei Inhaltsstoffe heraus, auf die das Produkt aufgebaut ist, und such jeden einzeln zusammen mit „randomisierte Studie". Fünf Minuten am Handy zeigen dir, mit welchen Mengen tatsächlich geforscht wurde. Kognitive Studien zu Kreatin arbeiten zum Beispiel meist mit 3 bis 5 g täglich.
Drittens: Das Etikett verschweigt die Mengen
Steht auf einem Produkt „Cognitive Matrix, 850 mg" und darunter acht Inhaltsstoffe ohne einzelne Zahlen, kannst du nicht erkennen, ob der nützliche davon 800 mg oder 8 mg ausmacht. Unternehmen begründen solche Eigenmischungen damit, das Rezept vor Nachahmern zu schützen. Häufiger verhindern sie, dass du die Rechnung von oben aufmachen kannst.
Derselbe Effekt entsteht bei Extrakten. „Blaubeerextrakt 200 mg" sagt für sich genommen wenig, denn Pflanzenextrakte unterscheiden sich stark in ihrer Konzentration, je nachdem, wie sie hergestellt wurden.
Woran du es erkennst: Jeder Inhaltsstoff trägt seine eigene Zahl, und jeder Extrakt gibt an, wie viel Wirkstoff er enthält. „Blaubeerextrakt 200 mg, davon 50 mg Anthocyanidine" sagt dir, was drin ist. Ein Unternehmen, das sauber dosiert hat, hat allen Grund, dir das zu zeigen.
Am Ende steht bei allen drei Fallen dasselbe Ergebnis: Du bist entweder überdreht oder enttäuscht. Keiner dieser Wege unterstützt die Systeme, auf die dein Gehirn angewiesen ist.